Geologischer Wanderführer

Rainer Olzem und Timm Reisinger berichten über die Entstehung La Palmas in mehreren Teilen.

 

Teil 1: La Caldereta

 

Dem Hafen der Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma gegenübet liegt ein riesiger zum Meer offener Vulkankrater, genannt La Caldereta. Seine Basis hat einen Durchmesser von 1,5 Kilometer, sein innerer Durchmesser beträgt rund 1 km und der Kraterrand überragt die Stadt an seinem höchsten Punkt um 400m.

Die stadtauswärts verlaufende Schnellstraße durchfährt die südliche Kraterwand der Caldereta durch einen 450 m langen Tunnel, während die stadteinwärts führende Gegenfahrbahn ein senkrechtes Profil durch den Kraterrand schneidet.

 

La Caldereta ist ein ganz besonderer Vulkan, nämlich ein Vulkan, der durch eine sogenannte phreatomagmatische Eruption entstanden ist.

 

Eine phreatomagmatische Eruption ist ein mit heftigen Explosionen verbundener Vulkanausbruch, wobei unter hohem Druck stehende Gase die überlagernden Gesteinsmassen durchschlagen.

 

Wenn das bis zu 1.200°C heiße glutflüssige Magma aus dem Erdmantel mit Meerwasser, Grundwasser oder Oberflächenwasser in Kontakt kommt, wird das Wasser weit über seinen Siedepunkt hinaus erhitzt, verdampft schlagartig und vergrößert sein Volumen auf das 1.000 Fache. Dadurch wird eine gewaltige Dampfexplosion ausgelöst.

Das weite Lavafeld des Tacande

Teil 2 der geologischen Geschichte La Palmas

 von Rainer Olzem und Timm Reisinger



Ganz im Norden der Cumbre Vieja liegt ein markanter Vulkan mit steilen Flanken und einem weiten Lavafeld, Volkan Tacande oder auch Montana Quemada genannt.



Biegt man von der Hauptstraße LP 3 El Paso – Santa Cruz kurz vor dem Tunnel durch die Cumbre Nueva rechts auf die schmale und kurvenreiche LP 301 zum Rast und Grillplatz El Pilar ab, sieht man nach einigen Kilometern rechts der Straße bereits den Vulkan Tacande mit seiner auffälligen nach Norden geöffneten Ausflussrinne seines mächtigen Lavastroms.

 

Einige Kilometer und viele Kurven weiter, verläuft die extrem steile Ostflanke des Tacande, unmittelbar rechts neben der Straße.

 

Die auffallend steile Böschung wird bestimmt durch den sogenannten Winkel der inneren Reibung.

 

Der Neigungswinkel, unter dem eine kohäsionslose Masse, wie diese Ansammlung aus vulkanischen Aschen, Schlacken und Lapilli, in Bewegung gerät, heißt Reibungswinkel oder auch natürlicher Böschungswinkel.

 

Er ist um so größer, d.h. Die Böschung ist um so steiler, je eckiger die einzelnen Körner sind, je dichter das Material gelagert ist und je unterschiedlicher die vorhandenen Korngrößen sind.

 

 

Dann öffnet sich die bis dahin dicht mit Kanarenkiefern bewaldete Landschaft,

zur weiten Aschenebene Llano del Jable.

 

Hier kann man den Wagen bei Straßenkilometer 4, rechts am Fuß des Tacande abstellen. Dort beginnt eine Aschenpiste, die PR-LP 14 die zunächst nach Nordwesten führt und kurz darauf leicht nach rechts, nach Nordosten abbiegt.

 

Interessant sind hier die einige hundert Meter langen und bis 1 Meter tiefen Erosionsrinnen links des Weges die sich nach starken Regenfällen in der schwarzen Asche ausbilden.

 

Die dunkle Asche stammt übrigens nicht vom Vulkan Tacande, sondern von einer älteren Eruption des Vulkans Birigoyo, der sich zur Linken, auf der Cumbre Vieja, weithin sichtbar als kahler Gipfel erhebt.

 

Die Eruption dea Birigoyo fand etwa 4000 v. Chr. Statt.

 

Bei Sonnenschein glitzert und glänzt es in den Aschen überall.

Es sind die für Basalt-Lava typischen kleinen Amphibol-und Pyroxen- Kristalle, deren spiegelnde Oberflächen das Sonnenlicht reflektieren.

 

Die gesamte Länge des Lavazugs beträgt etwa 8 km, seine maximale Breite etwa 1 km.

Da der Lavazug- mit Ausnahme von weißlich grauem Flechtenbewuchs auf der Oberfläche der Lava und wenig kleinwüchsigen Kiefern- noch immer weitgehend vegetationslos ist, ist er im Gelände gut auszumachen.