Die Fuente Santa, die Quelle, welche nach den Ausbrüchen des San Antonio versiegte

Die Ausbrüche des San Antonio

 

Teil 3

des geologischen Wanderführers von Timm Reisinger und Rainer Olzem

 

Die Ausbrüche des San Antonio


Der Vulkan San Antonio liegt im Süden von La Palma, unterhalb von Fuencaliente (Los Canarios). Von Santa Cruz kommend zweigt von der Hauptstraße LP-2 am Ortseingang von Fuencaliente links die Straße LP-209 zum San Antonio ab. Nach einigen Kurven führt wiederum links eine Stichstraße zum "Centro de Visitantes Volcán de San Antonio". An einem Kassenhäuschen löst man das Ticket zum Parkplatz, zum Besucherzentrum und zu einem Spaziergang über den Kraterrand des Vulkans.


Im Besucherzentrum, das auch ein kleines Café beherbergt, wird die Geschichte des Vulkans von seiner Entstehung bis zu seinem letzten Ausbruch im Jahre 1677 geologisch und historisch mit Schautafeln und in einem sehenswerten Film in deutscher Sprache anschaulich und verständlich dargestellt. Direkt am Besucherzentrum beginnt auch der Weg zum Kraterrand des Vulkans, den man zu etwa einem Drittel umrunden kann.


Der San Antonio besitzt einen gut ausgebildeten 150 m hohen konischen Vulkankegel mit einem markanten runden Krater. Sein höchster Punkt liegt auf 647 m ü. NHN, die Vulkanbasis hat rund 1 km Durchmesser.
Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist der heutige Krater des San Antonio-Vulkans nicht die historische Ausbruchstelle von 1677, sondern die einer älteren gewaltigen hochexplosiven Eruption, die nach einer Datierung mit der Radiokohlenstoff-Methode (14C-Datierung) vor etwa 3200 Jahren in prähistorischer Zeit stattgefunden hat.


Stellenweise sind der Rand und die Flanken des San Antonio-Vulkans von zertrümmerten vulkanischen Gesteinen von feinen Aschen bis zu großen Blöcken des Ausbruchs von 1677 überdeckt, was zu einer falschen Datierung geführt hat. Außerdem wird der Vulkankegel des San Antonio von älteren, nach 14C-Datierung eindeutig mehr als 3000 Jahre alten Laven der Vorgängervulkane, des Fuego- und des La Fajana-Vulkans, umflossen. Demnach muss der Krater des San Antonio älter als 3000 Jahre sein.
Der prähistorische Ausbruch wird mit einem großen Zerstörungspotenzial in der näheren und weiteren Umgebung von einigen Kilometern verbunden gewesen sein. Die historischen Quellen von 1677 geben jedoch keinerlei Hinweise auf solche katastrophalen Ereignisse.


Der Geologe Prof. Juan Carlos Carracedo erwähnt in seinem Buch "Los Volcanes de las Islas Canarias" (Bd. IV, Madrid 2008) den archäologischen Fund einer Guanchensiedlung an der Vulkanflanke. Da die Kultur der Guanchen jedoch bereits kurz nach der spanischen Eroberung der Insel in den Jahren 1492/93 unterging, ist auch dies ein Indiz für eine prähistorische Entstehung des Vulkans San Antonio.


Die Eruption von 1677 geschah an einer Ausbruchstelle direkt nordöstlich des Kraterrandes und an drei Ausbruchstellen südwestlich unterhalb der Kraterbasis.
Blickt man vom begehbaren Kraterrand in südwestliche Richtung nach unten, so erkennt man deutlich die drei kleinen Krater am Fuß des Vulkans. Insgesamt flossen räumlich und zeitlich versetzt sieben Lavaströme hangwärts zum Meer, wo sie heute ausgedehnte Lavaplattformen bilden.
Nach vorausgehenden leichten Erdbeben öffneten sich Mitte November 1677 die Eruptionsspalten beiderseits des San Antonio und stießen zunächst heiße Gase aus, die starken Schwefelgeruch verströmten. Wenige Tage später spuckten die unteren Öffnungen klastisches Material und Lava, die zum Meer hinabfloss, während die obere Austrittsstelle zunächst weiter Gase ausstieß und später in wechselnden Ausbrüchen auch Aschen, Schlacken und Lavafetzen freisetzte.

Am 23. November gab es an der oberen Öffnung drei heftige Explosionen, während die Lavaförderung aus den unteren Kratern nachließ. Am nächsten Tag jedoch öffneten sich am Fuß des Berges neue Spalten, aus denen große Mengen Lava austraten. Schließlich erreichte die Lava die Fuente Santa, die heilige Quelle im Süden, die daraufhin versiegte.
Nicht nur fast die gesamte Südspitze von La Palma wurde durch die vulkanischen Gesteine des nachfolgenden Teneguia-Ausbruchs von 1971 bedeckt, sondern auch die steilen Flanken des Vulkans San Antonio.


Schon die Guanchen, die neolithischen Ureinwohner La Palmas, sollen die Fuente Santa, die heilige Quelle im Süden der Insel bei Los Canarios, als Heilquelle genutzt haben.  Im 17. Jahrhundert soll das Heilwasser weit über Spaniens Grenzen hinaus bekannt gewesen sein. Bei dem bisher letzten Ausbruch des Vulkans San Antonio im Jahre 1677 wurde die Heilquelle durch die ausgeworfenen Aschen und Laven verschüttet. Erst 2005 wurde die Quelle wiederentdeckt. Viel Mühe und Geld wurde aufgewendet, um sie freizulegen und zugänglich zu machen. Man baute einen 200 Meter langen Stollen und inzwischen gibt es fünf natürliche Becken mit 30 - 45°C warmem Mineralwasser, das heilende Wirkung bei Hautkrankheiten, Muskelschmerzen und Problemen mit den Knochen haben soll. Die Inselverwaltung denkt sogar an die Einrichtung eines Heilbades, das die nicht gerade von Touristenmassen verwöhnte Insel um eine Attraktion reicher machen würde. Angedacht ist auch eine Abfüllung des Thermalwassers in Flaschen und eine Vermarktung als Heilwasser.


Am westlichen Fuß des San Antonio erhebt sich zwischen der Zufahrtsstraße zum Vulkan Teneguía und dem Atlantik ein einsamer heller Felsen, der auch vom Kraterrand des San Antonio zu sehen ist. Es ist der Roque Teneguía, der zwar diesen Namen trägt, jedoch mit dem Vulkan Teneguía nicht im Zusammenhang steht. Der Roque Teneguía ist ein für die Insel La Palma typischer phonolithischer Dom, der entweder aus der Zeit der Vorgängervulkane des San Antonio stammt oder während der prähistorischen Eruption des Antonio selbst vor 3200 Jahren entstanden ist. Ein phonolithischer Dom entsteht aus zähem Magma, das bereits im Vulkanschlot erstarrt und als festes Gestein in die Höhe steigt.


Die Blaukehlige Eidechse


Auf den Kanaren lebt die endemische Blaukehlige Eidechse (Gallotia galloti) und auf La Palma die endemische Unterart Gallotia galloti palmae, die einzige auf La Palma vorkommende Eidechsenart. Die Männchen dieser bis zu 40 cm langen tagaktiven Kanareneidechsen zeigen besonders während der Paarungszeit von April bis Mai eine kräftig blaue Färbung des Kehlbereichs. Die Weibchen sind etwas kleiner und unauffälliger. Gallotia galloti lebt bevorzugt in offenen und steinigen Arealen, sie ernährt sich von Pflanzen und von kleinen wirbellosen Tieren, hauptsächlich Insekten.
Interessant aus evolutionärer Sicht ist die bemerkenswerte Variabilität und die beobachtete Habitat-Anpassung der Spezies: Im Nordwesten der Insel bei Garafia tragen die Männchen eine ausgeprägte bräunliche Quermusterung über dem Rücken. Da hier braune Böden vorherrschen, stellt die braune Färbung der Tiere eine optimale Anpassung an die Umwelt dar, die besonders vor Greifvögeln schützt. Dagegen sind die Tiere im Süden der Insel bei den Vulkanen San Antonio und Teneguía dunkler, manchmal sogar schwarz und die Weibchen dunkelgrau, was hervorragend zum dunklen Lavagestein in dieser Gegend passt (nach: TROIDL, A. und S., 2006).


Ganz am Ende des Weges auf dem Kraterrand des San Antonio leben besonders viele Exemplare dieser sonst so scheuen Reptilien. Hier oben haben sie ihre Scheu vor dem Menschen jedoch abgelegt, lassen sich gern fotografieren und warten auf einen kühlen Schluck aus der Wasserflasche.

 

 

Bilder und Texte Copyright Rainer Olzem Timm Reisinger 2019

San Antonio Vulkan in Fuencaliente

Die Ausbrüche des San Antonio in Fuencaliente schufen eine Vulkanlandschaft, welche Gestein, Sand und Meer zusammen führte und die Schönheit dieser Landschaft wie gemalt erscheinen lässt.