Prozession von Las Nieves

 Lavaströme und fruchtbare Böden

 

Besonders am nördlichen Kraterrand fällt die intensiv rote Färbung der Lava auf. Glutflüssige basaltische Lava ist rot und wird nach Abkühlung meist grau oder schwarz. Basaltische Lava enthält viele Minerale, besonders Eisen in seinen Verbindungen mit Sauerstoff (Eisenoxide) und Schwefel (Eisensulfide). Diese Eisenverbindungen verursachen die oft rote, braune und gelbe Farbe der Lava. Gelbfärbungen werden auch durch Schwefel erzeugt, der den typischen leicht stechenden Geruch der Lava bewirkt.

Die Lavaströme und Pyroklastika des Vulkans Martín bilden mit 7,5 km² die größte zusammenhängende, mit Lava bedeckte Vulkanfläche auf La Palma, eine Landschaftseinheit mit größtenteils unfruchtbaren Böden, die von den Palmeros Malpaís (unfruchtbares Land) genannt wird.

 

Die oft erwähnte große Fruchtbarkeit vulkanischer Böden bezieht sich vor allem auf vulkanische Aschen mit ihren hohen Nährstoffgehalten an Phosphor, Kalium und Calcium und mit ihrer großen inneren Oberfläche und damit hohen Wasserspeicherfähigkeit. Bei einer festen Lava dagegen kommt es erst durch physikalische, chemische und biologische Verwitterungsprozesse im Laufe vieler Jahre zu einer Zermürbung und Zerkleinerung des Ausgangsgesteins und schließlich zur Ausbildung eines fruchtbaren Bodens. Dieser Prozess dauert auf dem Ausgangsgestein Lava jedoch viele, viele Generationen.

 

Vom Wanderweg GR 131 zweigt rechts ein schmaler Pfad ab, der zum westlichen Kraterrand hochführt. Ganz am Ende des Pfades gibt es einen Aussichtspunkt, von dort sind der zweite Krater des Martin und die Eruptionsstellen von 1646 zu sehen. Beeindruckend auch der weite Blick über den Atlantik.

 

Historische Quellen

María Victoria Hernández schreibt auf der Website www.lapalmaturismo.com:

Es wird berichtet, dass man am Sonntag, dem 30. September 1646, mitternachts auf der Insel ein starkes Erdbeben spürte. Nachts darauf gab es ein lautes Geräusch, die Leute sahen, wie aus dem Berg Manteca Rauch aufstieg und stellten fest, dass es ein neuer Vulkan war, der zweite, der seit La Palma 1492 unter kastilische Krone gefallen war, die Insel erschütterte.

Es war die Geburt des Vulkans Martín, der nach tagelangem Rauchen begann, Lavaströme hangabwärts zu ergießen und solche Mengen Steine auszuschleudern, dass es wie Vogelschwärme aussah, so groß, dass man sie von jedem Punkt der Insel sehen konnte. In der Dunkelheit sah man sie noch deutlicher, da jeder Stein hellglühender Kohle glich. Aus diesen Unmengen ausgespuckter Steine entstanden riesige Ströme, die sich ins Meer ergossen.

 

 

Und es wird berichtet, dass das Beben der Erde anhielt, die Asche die Saat begrub und das Vieh kein Futter mehr fand. Die Häuser drohten einzustürzen, die Menschen der Insel suchten nachts Schutz in Gewölben, Erdgeschossen und Höfen.

 

In einer Nacht war das Beben so stark, dass die Bewohner der Insel in die Kirchen liefen, und mitternachts gab es eine feierliche Prozession mit der Heiligen Jungfrau von Las Nieves (Heilige Jungfrau vom Schnee), die sich gerade in der Kirche El Salvador von Santa Cruz de La Palma befand, von der man bei einer örtlichen Wallfahrt Fürsprache im Hinblick auf den schrecklichen Vulkan erfleht hatte. Die Leute von La Palma brachen aus Furcht vor der Strafe Gottes in Tränen aus.

 

Es war am 21. Dezember, als Wunder und Legende begannen, eins zu werden, und so wird berichtet:

 

Und es war offenkundig, dass die Glorreiche Jungfrau von Las Nieves, unsere geliebte Schutzheilige, ihren wohlwollenden Tau als Schnee auf den Vulkan herabfallen ließ.“

 

So endeten Tage der Verzweiflung eines Volkes. Mit seiner Liebkosung löschte und bedeckte der Schnee den furchtbaren Vulkan.″

 

Das Santuario de la Virgen de las Nieves liegt nördlich von Santa Cruz und ist über die Straße LP-101 zu erreichen. Der kleine Ort Las Nieves hat weniger als 20 Einwohner. In der Wallfahrtskirche steht die 80 cm große Terrakotta-Figur der "Jungfrau vom Schnee". Die Statue ist mit Gold und Edelsteinen behängt und wird deshalb von den Palmeros als die reichste Frau der Insel bezeichnet.

 

Alle fünf Jahre findet eine große Prozession statt, bei der die Statue nach Santa Cruz getragen wird. Die "Bajada de la Virgen de las Nieves", die Herabkunft der Jungfrau vom Schnee, ist das größte Fest und der religiöse Höhepunkt auf La Palma. Die Feierlichkeiten beginnen Ende Juni und ziehen sich bis in den August.

 

Die Heilige von Las Nieves ist auch die Schutzpatronin gegen alle erdenklichen Arten von Naturkatastrophen. Wenige Jahre, nachdem sie den Vulkan Martín mit ihrem Schnee gelöscht hatte, wurde die Insel von einer Dürre heimgesucht. Die Palmeros trugen deshalb die Statue von der Kirche in Las Nieves hinunter nach Santa Cruz und beteten um Regen. Weil ihre Bitte auch diesmal erhört wurde, ordnete der damalige Bischof der Kanaren Garcia Ximénez an, dass die Prozession ein fester Brauch werden solle. Seit 1680 findet die Bajada de La Virgen de Las Nieves alle fünf Jahre statt.

 

DATENSCHUTZ AKTUELL 2020

 Copyright Text und Bilder Timm Reisinger Rainer Olzem 2020

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