Faszination der Vulkane

Blick auf den Gipfelbereich des Ätna

Rainer Olzem und Tim Reisinger haben Ihr neues Buch:

"Feuer im Berg" mit sehr viel Leidenschaft für die Geologie,

und großer Kompetenz herausgebracht.

Reisen sie mit nach Süditalien und erforschen mit den Geologen die heissen Vulkane und erleben eine Sensation am Ätna:

In der Lava von 2001 befand sich ein Kern von Prunus Persica auch Pfirsich genannt.

Auf der Seite 147 verfolgen die Geologen eine aufregende Spur!

Das Buch Feuer im Berg vermittelt nicht nur Geowissen, es ist eine spannende Reise in unsere Erdgeschichte

 

Vulkane und Lavatunnel

Die Faszination für Vulkane und für die Geologie im Allgemeinen ist bei unserer Exkursion zu den Vulkanen Süditaliens auf alle Exkursionsteilnehmer übergegangen.

 

In diesem Buch sind die Exkursionsberichte und viele weitere interessante und aktuelle naturwissenschaftliche Themen mit Bezug zum Vulkanismus und generell zur Geologie zusammengestellt.

 

Das Buch bietet damit einen breiten Überblick über geologische Themen von der Plattentektonik über exogene und endogene Stoffkreisläufe bis hin zu den Methoden der Geochronologie.

Darüber hinaus will das Buch den Lesern die Geologie näherbringen, es will Freude an der Geologie vermitteln.

 

Denn fast alles, was wir tun, tun wir auf dieser Erde.

Alles, was wir zum Leben brauchen, entstammt der Erde.

Lavagrotten am Ätna

 

 

Während einer geologischen Exkursion nach Sizilien haben wir, Timm und Rainer, eine Wanderung zu mehreren Lavagrotten am Ätna unternommen, über die wir im Folgenden berichten möchten.

Der Club Alpino Italiano (CAI) - Sezione dell'Etna - Gruppo Grotte Catania - listet auf seiner Homepage www.caicatania.it insgesamt 214 bekannte Lavagrotten am Ätna auf.



Es wird unterschieden in Grotten, die eine unmittelbare Folge der Eruption sind und in solche, die sekundär entstanden sind.

 

Eruptionsgrotten können aus explosiven Boccen, aus effusiven Boccen oder aus dem fließenden Lavastrom entstehen. Als sekundäre Grotten sind spätere Bildungen durch die Kraft des fließenden Wassers, durch Windausblasungen, hier meist in losen Tuffen und Aschen, und durch die Einwirkung des Menschen zu nennen.

 

Die meisten Grotten oder auch Lavatunnel des Ätna sind aus der fließenden Lava entstanden.

Ein Lavatunnel entsteht, wenn sich ein zu Tal fließender Lavastrom an seiner Außenseite durch die Luft abkühlt, die Lava im Inneren des Stroms aber keinen Kontakt zur kühlenden Außenluft hat und so ihre hohe Temperatur von mehr als 1.000°C beibehält.

 

Die Lava im Inneren der verfestigten und isolierenden Kruste fließt weiter und wenn keine neue Lava nachkommt, leert sich der Innenraum und es bleibt ein Hohlraum zurück.

 

Geht man vom Rifugio Brunek - im Pineta Ragabo an der Via Mareneve gelegen, das ist die Verbindungsstraße Linguaglossa - Piano Provenzana - in nördliche Richtung bergabwärts quer durch den lichten Kiefernwald, so erreicht man nach kaum 200 m ein Hinweisschild zur Grotta di Corruccio.

 

Direkt am Weg davor fällt ein schwarzer Lavakegel auf, der Monte Corruccio, der vermuten lässt, dass dies die Ausbruchstelle der die Grotte bildenden Lava ist.

 

Es handelt sich also um eine Grotte, die durch eine effusive Eruption unmittelbar an der Ausbruchstelle entstanden ist.

 

Dem Hinweisschild folgend erreicht man die beiden Eingänge zur Grotte. Nach Norden den Hang hinunter schließt sich ein verfallener Lavatunnel an, dessen Decke eingestürzt ist. Er sieht aus wie ein zu beiden Seiten durch Mauern eingefriedeter Bereich und wurde deshalb auch als Ziegenpferch genutzt.

 

 

Von hier aus hat man bei klarem Wetter einen herrlichen Blick auf den zum Meer abfallenden Bergrücken mit der Stadt Taormina und rechts davon Kalabrien.

 

Steigt man nun in Richtung Rifugio Brunek zurück und nimmt den oberen Waldweg, biegt nach knapp 2 km vor der Caserma Pitarrone, einer verlassenen Forsthütte, links ab, so erreicht man nach kurzer Strecke den imposanten Lavazug von 2002.

 

Wie ein unaufhaltsamer Fluss schneidet die Lava den Berg herab durch den Hochwald. Kein Wunder, dass Michele, der Wirt des Rifugio Brunek, damals Stoßgebete zur heiligen Maria geschickt hat, dass die Lava ihn und seine Hütte verschone.

 

Auf dem weiteren Weg quert man nacheinander die Laven aus den Jahren 1923, 1911 und 1879. Mit einiger Übung kann man das ungefähre Alter der Laven am Verwitterungsgrad und vor allem am Bewuchs erkennen.

 

Als typische Pionierpflanze, die als erste auch auf grober Asche wächst, gilt das Seifenkraut (saponaria sicula), in dessen Kolonien sich sukzessiv andere Pflanzen ansiedeln und nach und nach Boden bilden.

 

 

In der Lava von 1911 liegen links des Wegs ihre imposanten Förderapparate. Hier hat die Lava in einer breiten Schlucht hohe und steile Wände gebildet. Es ist sehr empfehlenswert, die etwa 200 Meter bis zu den Boccen hineinzugehen.

 

 

Nach weiteren etwa 4 km nimmt man an einer Weggabelung den rechten absteigenden Weg zur Grotta delle Palombe. Hier gibt es eine Forsthütte, der gesamte Bereich ist eingezäunt, aber zugänglich.

Um das senkrechte und tiefe Einstiegsloch zur Grotte gibt es einen weiteren Holzzaun. In die Grotte hinein kommt man nur durch Abseilen.

 

Steigt man den Weg hoch zurück zur Weggabelung und hält sich rechts, erreicht man nach etwa 500 m rechts unterhalb des Forstwegs die kleine Grotta delle Femmine.

Die Grotte hat nur ein kleines Einstiegsloch, ist nicht einsehbar und schwer zu begehen.

 

Auf dem weiteren leicht ansteigenden Weg passieren wir einen lichten Mischwald, der auf uralter Lava wächst. Nach kurzer Strecke erreichen wir die Lava von 1947, sofort erkennbar an ihrer unverwitterten dunklen Färbung und dem fehlenden Bewuchs.

 

Immer wieder faszinierend sind die abrupten Übergänge zwischen der dunklen nackten Lava und der üppigen grünen Vegetation. Hier endet der Wald und wir queren den Lavastrom.

 

Linker Hand in der Ferne grüßt der kahle Gipfel des Monte Nero.

Plötzlich wechseln Form und Farbe der Lava, auf die blockige Aa-Lava folgt mit scharfem Übergang die Pahoehoe-Lava dell Passo dei Dammusi.

 

Diese formenreiche Lava ist in den Jahren 1914 bis 1924 ausgeflossen. Der laterale überwiegend effusive Ausbruch war nach Norden und Nordosten gerichtet und hatte ein ausgedehntes Lavafeld zur Folge.

 

Die Lava stellt sich in geradezu künstlerischen Formen dar, es gibt glatte Oberflächen, Kissen und kunstvoll gelegte Stricke und Wülste. Immer wieder treffen wir auf neuen Formenreichtum.

 

An einer Weggabelung nach weiteren etwa 1,5 km - scharf links geht es zum Monte Santa Maria und zum Monte Nero, rechts zum Monte Spagnolo - machen wir in der größten Mittagshitze eine kurze Pause. Schatten gibt es hier nirgendwo.

 

Wir steigen nach Süden durch die Pahoehoe-Lava den Berg hinauf und suchen die Grotta dei Lamponi.

Da es hier mehrere Grotteneingänge gibt, die alle demselben Tunnelsystem angehören, dauert es eine gewisse Zeit, bis wir den Grotteneingang in 1.762 Höhe ü. NHN gefunden haben.

 

Der Lavatunnel der Grotta dei Lamponi verläuft radial auf den Gipfel des Ätna zu. Die Höhle soll mit 400 m Länge einer der längsten Tunnel am Ätna sein. Der Durch-messer beträgt 5 bis 10 m.

In der Grotte wird es mit zunehmender Entfernung zum Eingangsloch so dunkel, dass unsere Taschenlampen ihren Dienst versagen. Nur der Blitz unserer Kamera lässt den Verlauf der Höhle schwach erkennen.

Typisch für einen Lavatunnel sind der sanfte Schwung seines Verlaufs, der leicht elliptische Querschnitt, die durch die fließende Lava verursachten sogenannten ″Strandlinien″ an den Seitenwänden und die kleinen verfestigten Lavatropfen an der Höhlendecke.

 

Jetzt beginnt der anstrengende Aufstieg zur etwa 2.045 m ü. NHN gelegenen Grotta del Gelo, wir müssen dazu 300 Höhenmeter bei 32°C im Schatten überwinden. Aber Schatten gibt es auf der ganzen Strecke nicht.

 

Der Aufstieg führt etwa vier Kilometer durch die immer wieder durch ihre Formenvielfalt überraschende Pahoehoe-Lava des lang andauernden Ausbruchs von 1914 bis 1924.

Der durch Steinmännchen markierte schmale Aufstieg führt durch eine Dagala, das ist eine von Lava umflossene Vegetationsinsel, die wie eine grüne Oase inmitten der Steinwüste Leben spendet.

Hin und wieder eröffnet sich ein atemberaubender Blick in das Tal des Alcantara und auf die dort gelegene Stadt Randazzo. Die in der Ferne verblassenden Berge Siziliens liegen schon weit unter uns.

 

Durch Zufall entdecken wir neben der markierten Strecke - wir befinden uns bereits auf über 2.000 Höhenmetern - eine kleine Grotte mit senkrechtem Eingangsloch, aus der eiskalte Luft entweicht.

Als wir uns die Sache näher ansehen, erkennen wir, dass sich die Grotte in der Tiefe erweitert und dass sie dort mit Eis gefüllt ist.

Am Grottenrand gibt es einen Platz, von dem wir unsere Beine in die Tiefe hängen lassen und die erfrischende Kühle genießen. Wir können uns von diesem komfortablen Platz nur schwer wieder lösen, auch in mehr als 2.000 m Höhe messen wir noch 30°C.

 

Wir bewegen uns nun auf einer Hochebene. Die Lava ist hier in großen Platten gebrochen und aufgeschoben, es sieht aus, als ob die Betonplatten einer Autobahn aufgebrochen seien.

 

Endlich, der Weg zieht sich länger hin als vermutet, erreichen wir die Grotta del Gelo. Der Name bedeutet Frostgrotte, und in der Tat steckt hinter einer unscheinbaren Einstiegsöffnung eine kleine Eis-Wunderwelt, die oft als der südlichste Gletscher Europas bezeichnet wird. Schaut euch die Bilder an!

 

Obwohl draußen die Mittagshitze 30°C im Schatten erreicht, ist es in der Höhle eiskalt. Eine tolle Erfrischung nach der Gluthitze des Aufstiegs. Doch die Hitze macht sich auch bereits in der Grotte bemerkbar, denn die Eisgebilde sind dabei, abzuschmelzen. Überall tropft und gluckert es. Die Temperatur in der Grotte steigt im Sommer jedoch selten über 0°C und liegt im Winter bei etwa -4 bis -5°C. Die Luftfeuchtigkeit ist das ganze Jahr über weitgehend konstant.

 

Gegen 15 Uhr machen wir uns auf den langen Rückweg zum Rifugio Brunek.



DATENSCHUTZ AKTUELL 2020

 Copyright Texte Bilder+ Video Timm Reisinger Rainer Olzem 2020



Exkursion am Ätna

Während einer geologischen Exkursion nach Sizilien haben wir, Timm und Rainer, eine Wanderung zu mehreren Lavagrotten am Ätna unternommen, über die wir im Folgenden berichten möchten.

Geologische Reise nach Süditalien